Fußheberschwäche

Fußheberschwäche: Elektrostimulation oder Orthese?

Zuletzt geprüft am

Elektrostimulation hilft bei Fußheberschwäche nur, wenn die Ursache im Gehirn oder Rückenmark liegt und der Nerv zum Muskel intakt ist; eine Fußheberorthese wirkt dagegen mechanisch und auch bei geschädigtem Nerv.1 Welche Versorgung besser passt, hängt von Ursache, Stabilität, Handhabung und Kostenübernahme ab.

Zentral oder peripher: Darauf kommt es an

FES erregt den Nerv, der den Muskel versorgt (wie FES wirkt). Deshalb entscheidet der Ort der Schädigung, ob Stimulation überhaupt infrage kommt – ausführlich unter Für wen ist FES geeignet?

Zentrale Ursache

Zum Beispiel nach Schlaganfall, bei Multipler Sklerose, Querschnittlähmung oder Zerebralparese. Hier kann FES passen.1

Periphere Ursache

Liegt die Schädigung am Nerv selbst, fehlt die Voraussetzung für FES.1Welche Ursache bei Ihnen vorliegt und wie sich die Schwäche entwickelt, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären.

Orthese oder FES?

Beide Versorgungen sollen den Fuß in der Schwungphase anheben. Sie unterscheiden sich in Voraussetzung, Wirkung, Stabilität, Handhabung und Kostenübernahme.

Vergleich von Fußheberorthese und FES nach Kriterien
KriteriumFußheberortheseFES
VoraussetzungWirkt mechanisch, auch wenn der Nerv geschädigt ist.Der Nerv zum Muskel muss intakt sein (zentrale Ursache).1
Wirkung auf das GehenEine Meta-Analyse fand bei Gehgeschwindigkeit und Mobilität vergleichbare Verbesserungen mit beiden Versorgungen.Vergleichbare Verbesserungen wie mit einer Orthese; was das im Einzelfall bedeutet, zeigt die Testphase.2
StabilitätStützt das Sprunggelenk mechanisch von außen.Stützt nicht mechanisch. Wie viel Halt Sie im Alltag brauchen, ist eine Frage der individuellen Einschätzung.
HandhabungWird angezogen und braucht passende Schuhe.Elektroden werden am Bein angebracht, das Gerät braucht Strom. Wie gut das im Alltag klappt, zeigt die Testphase.
KrankenkasseÜbliches Hilfsmittel; die Einzelheiten hängen von Kasse und Produkt ab.Einzelfallentscheidung, meist nach Testphase. Siehe Kostenübernahme.4

Ob sich Orthese und FES kombinieren lassen, hängt vom Einzelfall ab und sollte mit Versorger und Behandlungsteam besprochen werden. Die britische Behörde NICE hält die Belege für FES bei Fußheberschwäche zentraler Ursache für ausreichend.3 Eine kurze Antwort auf „Ist FES besser als eine Orthese?“ gibt Häufige Fragen.

Die Testphase

Vor einer dauerhaften FES-Versorgung wird in der Regel getestet, ob das Gerät im Alltag hilft. Dauer, Begleitung und Dokumentation hängen von Versorger und Krankenkasse ab – fragen Sie vorab nach dem Ablauf.

  • Vorher: Ärztliche Verordnung und Auswahl eines Versorgers – worauf Sie achten können, steht unter Anbieter im Vergleich.
  • Währenddessen: Notieren Sie, wie Sie im Alltag mit und ohne Gerät zurechtkommen. Was genau dokumentiert werden sollte, besprechen Sie am besten mit dem Versorger.
  • Danach: Der Bericht aus der Testphase ist Grundlage für die Entscheidung der Krankenkasse – siehe Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

Häufige Fragen

Ist eine Fußheberschwäche heilbar?

Das hängt von der Ursache ab und lässt sich nur ärztlich beurteilen.

Kann ich Orthese und FES kombinieren?

Das hängt vom Einzelfall ab. Besprechen Sie die Frage mit Versorger und Behandlungsteam.

Was passiert, wenn die Testphase nicht klappt?

Dann sollten Sie gemeinsam mit Behandlungsteam und Versorger prüfen, welche andere Versorgung infrage kommt, etwa eine Orthese.

Wer zahlt Orthese oder FES?

Orthesen sind in der Regel Standardversorgung, FES wird im Einzelfall entschieden. Einzelheiten unter Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

Autor

Boris Schumacher, Physiotherapeut

  • Sektorale Heilpraktikererlaubnis für Physiotherapie
  • Weiterbildungen in Chiropraktik und manueller Therapie
Mehr über den Autor

Quellen

  1. ÜbersichtsarbeitPeckham PH, Knutson JS. Functional electrical stimulation for neuromuscular applications. Annual Review of Biomedical Engineering. 2005;7:327–360. Zur Quelle
  2. Meta-AnalysePrenton S, Hollands KL, Kenney LP. Functional electrical stimulation versus ankle foot orthoses for foot-drop: a meta-analysis of orthotic effects. Journal of Rehabilitation Medicine. 2016;48(8):646–656. Zur Quelle
  3. Britische BewertungNational Institute for Health and Care Excellence (NICE). Functional electrical stimulation for drop foot of central neurological origin. HealthTech guidance HTG178 (vormals IPG278). 2009. Zur Quelle
  4. GKV-HilfsmittelverzeichnisGKV-Spitzenverband. Hilfsmittelverzeichnis, Produktuntergruppe 09.37.04 „Elektrostimulationsgeräte zur funktionellen Elektrostimulation (FES)“, Anforderungen gemäß § 139 SGB V. Änderungsdatum 30.09.2022. Zur Quelle