Fragen und Antworten
Häufige Fragen zu FES
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Wie fühlt sich FES an? Ersetzt sie die Physiotherapie? Wer übernimmt die Kosten? Hier finden Sie kurze Antworten – jeweils mit Quelle.
Anwendung im Alltag
Ist die Anwendung spürbar?
Ja. Die Stimulation fühlt sich meist wie ein Kribbeln an, ähnlich wie „Ameisenlaufen“. Gleichzeitig spüren Sie, wie sich der Muskel zusammenzieht und zum Beispiel den Fuß anhebt.1
Die Stärke lässt sich einstellen. Geräte im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen müssen eine Einstellmöglichkeit für die Nutzerin oder den Nutzer haben.3
Tut FES weh? Gibt es Nebenwirkungen?
Die Anwendung soll schmerzfrei und nebenwirkungsarm sein – das ist eine Anforderung an Geräte im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen.3
In Studien mit Kindern mit Zerebralparese wurden vor allem Hautreizungen beschrieben; manche kamen mit der Stimulation auch nicht gut zurecht.2 Auf verletzter Haut dürfen keine Elektroden angelegt werden.1
Wann FES nicht eingesetzt wird, etwa mit Herzschrittmacher oder in der Schwangerschaft, steht unter Für wen ist FES geeignet?
Wie läuft der Einstieg ab?
In einer britischen FES-Sprechstunde beginnt es zum Beispiel mit einer Untersuchung durch die Physiotherapie: Dabei wird beobachtet, wie Sie gehen, und FES oft gleich ausprobiert.1
Bekommen Sie ein Gerät über die Krankenkasse, muss Sie der Anbieter persönlich in den Gebrauch einweisen – mit dem Ziel, dass Sie es im Alltag sicher bedienen können.3
Kann ich das Gerät allein benutzen?
Darauf sind die Geräte ausgelegt. Im Hilfsmittelverzeichnis wird verlangt, dass sie ohne fremde Hilfe nutzbar sind, mit Akku oder Batterie laufen und sich mitnehmen lassen.3
Ob das in Ihrem Fall klappt – etwa wenn eine Hand ebenfalls betroffen ist –, klären Sie am besten beim Ausprobieren. Angehörige können bei der Einweisung dabei sein.
Hautelektroden oder Implantat – was ist der Unterschied?
Die Geräte im Hilfsmittelverzeichnis stimulieren über Elektroden, die auf die Haut geklebt werden.3 Daneben gibt es Systeme, bei denen Elektroden in einer Operation am Nerv platziert werden.
Ob ein Implantat infrage kommt, sollte ein spezialisiertes, fachübergreifendes Rehabilitationsteam entscheiden.9 Welche Voraussetzungen dafür genannt werden, steht unter Was außerdem eine Rolle spielt. In einer deutschen Studie gingen Menschen mit einem solchen System auch nach zwölf Monaten mit eingeschalteter Stimulation schneller als ohne.10
Wirkung und Erwartungen
Ersetzt FES die Physiotherapie?
Nein. FES ist eine Ergänzung. Nach Schlaganfall verbesserte FES zusammen mit Training die Fähigkeit, Alltagsaktivitäten auszuführen, mehr als Training allein.11
Wirkt FES auch, wenn das Gerät aus ist?
Der Hauptnutzen zeigt sich meist, solange das Gerät eingeschaltet ist. Bei Multipler Sklerose etwa gingen Menschen mit FES auf kurzen Strecken schneller – ein Trainingseffekt ohne Gerät zeigte sich bei der Gehgeschwindigkeit aber nicht.12
Ob und wie stark sich Bewegungen durch regelmäßige Anwendung auch ohne Gerät verbessern, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Mehr dazu auf der Seite Was ist FES?
Ist FES besser als eine Fußheberorthese?
Nicht unbedingt. Eine Meta-Analyse mit über 800 Menschen nach Schlaganfall fand bei Gehgeschwindigkeit und Mobilität vergleichbare Verbesserungen mit FES und mit einer herkömmlichen Orthese.13
Welche Versorgung besser passt, hängt von Ihren Zielen und Ihrem Alltag ab – das lässt sich gut beim Ausprobieren klären.
Kosten und Krankenkasse
Die folgenden Antworten beziehen sich auf die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland.
Wer übernimmt die Kosten?
Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf Hilfsmittel, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg einer Behandlung zu sichern, einer Behinderung vorzubeugen oder sie auszugleichen.4
FES-Geräte sind im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen in einer eigenen Gruppe aufgeführt (Produktuntergruppe 09.37.04). Grundlage der Versorgung ist eine ärztliche Verordnung.3 Die Krankenkasse prüft im Einzelfall, ob das Gerät erforderlich ist.4 Welche Geräte dort eingetragen sind, zeigt Anbieter im Vergleich.
Bei einer privaten Krankenversicherung hängt die Erstattung von Ihrem Vertrag ab. Fragen Sie am besten vorab bei Ihrer Versicherung nach.
Muss ich etwas dazuzahlen?
Erwachsene zahlen bei Hilfsmitteln in der Regel eine gesetzliche Zuzahlung: 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro.4,5
Der Anbieter muss Sie darüber aufklären, dass Sie Anspruch auf eine Versorgung ohne Mehrkosten haben, und Ihnen eine Auswahl geeigneter Geräte ohne Aufpreis anbieten. Mehrkosten entstehen nur, wenn Sie sich bewusst für ein teureres Gerät entscheiden.3 Was Versorger außerdem leisten müssen, steht unter Versorgung und Service.
Wie schnell muss die Krankenkasse entscheiden?
Die Krankenkasse muss zügig entscheiden: spätestens drei Wochen nach Eingang des Antrags oder fünf Wochen, wenn sie ein Gutachten, etwa des Medizinischen Dienstes, einholt. Schafft sie das nicht, muss sie Ihnen die Gründe rechtzeitig mitteilen.6
Was gilt, wenn die Frist ohne Nachricht verstreicht, ist rechtlich kompliziert. Lassen Sie sich dann beraten, bevor Sie ein Gerät selbst kaufen.
Was kann ich tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?
Sie können innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids Widerspruch einlegen – schriftlich oder zur Niederschrift bei der Krankenkasse.7 Hilfreich ist eine Stellungnahme Ihrer Ärztin, Ihres Arztes oder Ihres Therapieteams, warum FES für Sie erforderlich ist.
Kostenlose und unabhängige Beratung bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland unter 0800 011 77 22.8
Wie finde ich ein passendes Gerät?
Worauf Sie bei Geräten, Versorgung und Service achten können – sachlich und ohne Rangliste.
Quellen
- Patienteninformation (NHS)Cumbria, Northumberland, Tyne and Wear NHS Foundation Trust. Functional Electrical Stimulation (FES) Clinic – Patient information leaflet. Zur Quelle
- Systematische ÜbersichtMoll I, Vles JSH, Soudant DLHM et al. Functional electrical stimulation of the ankle dorsiflexors during walking in spastic cerebral palsy: a systematic review. Developmental Medicine & Child Neurology. 2017;59(12):1230–1236. Zur Quelle
- GKV-HilfsmittelverzeichnisGKV-Spitzenverband. Hilfsmittelverzeichnis, Produktuntergruppe 09.37.04 „Elektrostimulationsgeräte zur funktionellen Elektrostimulation (FES)“, Anforderungen gemäß § 139 SGB V. Änderungsdatum 30.09.2022. Zur Quelle
- Gesetz§ 33 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) – Hilfsmittel. Zur Quelle
- Gesetz§ 61 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) – Zuzahlungen. Zur Quelle
- Gesetz§ 13 Absatz 3a Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) – Entscheidungsfristen der Krankenkasse. Zur Quelle
- Gesetz§ 84 Sozialgerichtsgesetz (SGG) – Widerspruchsfrist. Zur Quelle
- BeratungsstelleStiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD). Kostenfreies Beratungstelefon 0800 011 77 22. Zur Quelle
- Britische BewertungNational Institute for Health and Care Excellence (NICE). Functional electrical stimulation for drop foot of central neurological origin. HealthTech guidance HTG178 (vormals Interventional procedures guidance IPG278). 2009. Zur Quelle
- Klinische StudieBuentjen L, Kupsch A, Galazky I et al. Long-term outcomes of semi-implantable functional electrical stimulation for central drop foot. Journal of NeuroEngineering and Rehabilitation. 2019;16:72. Zur Quelle
- Meta-AnalyseHowlett OA, Lannin NA, Ada L, McKinstry C. Functional electrical stimulation improves activity after stroke: a systematic review with meta-analysis. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation. 2015;96(5):934–943. Zur Quelle
- Meta-AnalyseMiller L, McFadyen A, Lord AC et al. Functional electrical stimulation for foot drop in multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis of the effect on gait speed. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation. 2017;98(7):1435–1452. Zur Quelle
- Meta-AnalysePrenton S, Hollands KL, Kenney LP. Functional electrical stimulation versus ankle foot orthoses for foot-drop: a meta-analysis of orthotic effects. Journal of Rehabilitation Medicine. 2016;48(8):646–656. Zur Quelle